09.11.2007 - 2007-09-11 HAMBURG: HSH Nordbank Arena / Stadium party with the rock police...
Stadion-Party mit der Rock-Polizei...
Eine Masse von Menschen strömt in die Hamburger HSH Nordbank Arena, um drei nicht mehr ganz jungen Männern beim Musizieren zuzusehen. 30,000 ind es laut Veranstalter, die am Dienstagabend nach 24-jähriger Pause The Police mit Gordon Sumner alias Sting, Andy Summers und Stewart Copeland hören wollen. Die hohen Erwartungen werden nicht enttäuscht: Vom Start mit 'Message in a Bottle' bis zum Hit-Feuerwerk mit 'Roxanne', 'So Lonely' und 'Every Breath You Take' begeistert das wieder fein eingespielte Trio mit seinem intelligenten Rock die Menge und erntet Ovationen.
Von 1977 bis 1983 veröffentlichten The Police fünf Nummer-eins-Alben und zehn Top-Ten-Singles. Mit ihrem Mix aus durchgeschlagenen Rock-Beats und wippenden Reggae-Rhythmen mit karibischen Melodien standen sie an der Nahtstelle zum Punk, dank ihrer Experimentierfreude aber auch zur Fusion mit dem Jazz. Stings unverwechselbare Stimme, seine ambitionierten Bassläufe, Summers den Songcharakter unterstreichendes Gitarrenspiel und Copelands differenzierte Schlagzeugarbeit sind bis heute selten erreicht oder gar übertroffen worden.
Um die Magie von Sting & Co noch einmal zu hören, greifen die Fans tief in die Tasche: 97 oder gar 120 Euro stehen auf den Tickets, die an der Kontrolle vorgezeigt werden. Auf dem Lieferantenparkplatz vor dem Stadion stehen mindestens zwei Dutzend große Trucks. Die Bühne drinnen ist zwar schlanker als beispielsweise die der Rolling Stones, aber offenkundig voll gestopft mit aufwendigster Technik. Der Sound ist für ein Stadionkonzert sehr klar, die Multimedia-Show absolute Spitzenklasse: Auf den Videoleinwänden sind die drei Akteure in gestochen scharfen Bildern zu beobachten, umrahmt von bunten Farbmustern, die sich zum Beat bewegen.
Das Musikprogramm setzt auf Bewährtes: Es werden die Lieder gespielt, die Fans einer Band wie The Police auf einer Reunion-Tournee einfach hören wollen. "Singt mit mir, bitte", sagt Sting auf Deutsch. Das Publikum lässt sich nicht zwei Mal bitten.
Der Ablauf hat sich seit dem Welttourneestart Ende Mai in Vancouver bis Hamburg kaum geändert, wie die Programmlisten auf Fanseiten im Internet zeigen. Und doch kann man davon ausgehen, dass dieses Trio seine Musik ständig variiert und neu nuanciert, auch wenn es immer die selben Lieder spielt.
Vor allem Summers, mit 64 Jahren der Senior des Trios, holt mehr aus den altbekannten Songs heraus, wenn er ins Solospiel wechselt. Seit der Auflösung von The Police hat er Rock, Jazz und Fusion in höchsten technischen Schwierigkeitsstufen gespielt und sich dabei oft weit vom Massengeschmack entfernt. Copeland hat Filmmusik geschrieben und sich Jam-Sessions hingegeben, Sting hat Klassik, Jazz, Pop und Rock in sein Songwriting integriert.
Das bedeutet, dass fast ein Vierteljahrhundert nach ihrer Trennung auch mit manchem Zorn ein Trio auf der Bühne steht, das handwerklich besser und charakterlich gefestigter ist als damals. Die drei Individualisten haben sich zu einem Kollektiv wiedergefunden, in dem sich niemand auf Kosten des anderen profiliert. Die rhythmischen Variationen in Songs wie 'Walking On The Moon', 'Every Little Thing She Does Is Magic', 'Can't Stand Losing You' und 'Roxanne' gelingen mit müheloser Perfektion. Im Zugabenteil treibt 'So Lonely' die Stimmung auf den Siedepunkt, um dann mit 'Every Breath You Take' die Leute wieder zu Atem kommen zu lassen. Mit dem rockigen 'Next To You' klingt das Konzert nach gut zwei Stunden aus.
© Associated Press