06.08.2008 - 2008-06-08 DUSSELDORF: LTU Arena / Verspätete Flaschenpost...
Setlist
| 01 | Message In A Bottle |
| 02 | Walking On The Moon |
| 03 | Demolition Man |
| 04 | Voices Inside My Head |
| 05 | When The World Is Running Down |
| 06 | Don't Stand So Close To Me |
| 07 | Driven To Tears |
| 08 | Hole In My Life |
| 09 | Every Little Thing She Does Is Magic |
| 10 | Wrapped Around Your Finger |
| 11 | De Do Do Do, De Da Da Da |
| 12 | Invisible Sun |
| 13 | Can't Stand Losing You |
| 14 | Roxanne |
| 15 | King Of Pain |
| 16 | So Lonely |
| 17 | Every Breath You Take |
| 18 | Next To You |
Verspätete Flaschenpost...
The Police holten das im vergangenen Oktober abgesagte Konzert in Düsseldorf nach. Als Entschuldigung spielten sie ihre größten Hits. Die Tour soll der endgültige Abschied von der Bühne sein
Düsseldorf. Als Stewart Copeland mit einem kräftigen Schlag auf den Riesen-Gong hinter seinem Schlagzeug das Konzert eröffnete, und nach ihm Andy Summers und Sting die Bühne betraten, stellten sich die Nackenhaare auf. In der Düsseldorfer LTU-Arena herrschte Gänsehaut-Stimmung. Nach über 20 Jahren traten The Police wieder in NRW auf. Das lange Warten, es hatte sich gelohnt.
Pünktlich betrat das amerikanisch-britische Trio die Bühne. Ausgerechnet einer der größten Hits war der erste Song: 'Message In The Bottle'. Und die "Flaschenpost" war lange unterwegs, strandete mit Verspätung am Düsseldorfer Rheinufer. 239 Tage um genau zu sein. Denn das für den 13 Oktober 2007 geplante Konzert musste damals wegen einer Halsinfektion von Sänger Sting abgesagt werden.
"Entschuldigung, wir sind etwas spät dran - wegen meiner Stimme", begrüßte Frontmann und Bassist Sting das Publikum nach Song Nummer eins und deutete auf seinen Hals. 17 weitere Lieder - allesamt Hits, die das Trio zwischen 1978 und 1983 ablieferte - sollten folgen. Die beste Form der Entschuldigung.
Dass der Nachholtermin dann aber ausgerechnet auf den Tag fiel, an dem auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr Auftaktspiel bei der EM bestritt, war unglücklich. Dennoch: Das Stadion war mit etwa 50,000 Menschen nahezu ausverkauft. Wohl auch deshalb, weil die Fußball-Fans im kompletten Deutschland-Outfit ihre Tickets vor dem Stadion noch losgeworden waren.
Zumindest das Zwischenergebnis hätten sie nicht verpasst. Dafür sorgte Sting höchstpersönlich. Als Live-Ticker aus Fleisch und Blut: "Deutschland eins, Polen zero", verkündete er zwischen 'Hole In My Life' und 'Every Little Thing She Does Is Magic'. Dass sich Gitarrist Andy Summers mal darüber beklagt hatte, dass Sting seine Soli nicht gerne hören mochte und er - Summers - deshalb in der Vergangenheit oft auf ausschweifende Einzelparts verzichtet hatte, ist seit Sonntagabend nicht wirklich mehr zu glauben. Denn selten präsentierte Summers seine Fingerfertigkeiten an und mit den sechs Saiten seiner Gitarren so häufig wie in Düsseldorf. Bei 'Demolition Man', 'Driven To Tears' oder "So Lonely", einem der ersten Hits der Polizisten, brillierte Summers an seinem Instrument.
Und Sting, der ehemalige Mathematik-Lehrer, überzeugte nicht nur mit seiner kraftvollen, unverwechselbaren Stimme und gutem Deutsch, sondern bewies auch seine Rechenkünste. "Hier sind 50,000 Leute, das sind 100,000 Hände", animierte er das Publikum zum Klatschen. Doch den Animateur spielte er nur zu Beginn des Konzerts. Den Takt gaben zu 'Roxanne', dem explosiven 'Can't Stand Losing You' und 'Every Breath You Take' die Fans an.
105 Minuten mit zwei Zugaben lieferte The Police eine grundsolide Show ab - mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und ihren größten Hits. Schlicht, intensiv, kraftvoll. Ohne großes Brimborium. Eben genau so, wie die Band vor 30 Jahren ihre Karriere begonnen hatte.
Für viele Fans, vor allem die jüngeren, war dieser Auftritt das erste Police-Konzert überhaupt. Und wohl auch das letzte. Seit dem Auftakt am 27 Mai 2007 in Vancouver touren Copeland (55), Summers (65) und Sting (56) wieder gemeinsam um die Welt. Nach über einem Jahr neigt sich ihre Welttournee dem Ende entgegen. Und die Anzeichen verdichten sich, dass das Abschlusskonzert der Reunion-Tour am 7 August im New Yorker Madison Square Garden zugleich der Abschied von der Bühne sein soll. Dann sei endgültig Schluss.
Stings Worte zum Abschied ("Danke, Düsseldorf! Auf Wiedersehen") sollten daher nicht zu wörtlich genommen werden. Oder man fährt am 28. Juni noch einmal nach Leipzig. Dort steigt in der Messehalle 1 (und nicht im Zentralstadion) das letzte Deutschland-Konzert.
© Der Westen by Rulof Albert