concert reviews
Show Date2007-09-19
LocationVienna
VenueStadthalle
TourThe Police Reunion Tour 2007/08



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / The Police spielen gegen sich selber...

Setlist
01Message In A Bottle
01Walking On The Moon
02Demolition Man
03Voices Inside My Head
04When The World Is Running Down
05Don't Stand So Close To Me
06Driven To Tears
07Hole In My Life
08Every Little Thing She Does Is Magic
09Wrapped Around Your Finger
10De Do Do Do, De Da Da Da
11Invisible Sun
12Can't Stand Losing You
13Roxanne
14King Of Pain
15So Lonely
16Every Breath You Take
17Next To You
The Police spielen gegen sich selber...

Mit "The Police" ist das so eine Sache.

Einerseits kann man ihnen einige wichtige Verdienste um die Entwicklung der Popkultur nicht absprechen; andererseits bleiben Dünkel, die vor allem den Ansatz und Zugang des Trios, sowie die ein wenig ekelige Gutmenschen-Superstar-Nachkarriere von Sting betreffen.

Einerseits könnte man glauben, dass gerade wieder heute, wo es doch einige Gitarrenbands gibt, die zumindest Anklänge an alte Police-Sounds nehmen, ein Zeitfenster für eine Neubewertung oder Neuentdeckung offen wäre, andererseits ist so eine (auch bereits wieder) klassische Abcasher-Comeback-Tour dann auch wieder ein Verhinderer.

Ganz wie früher: The Police immer im einerseits-andererseits Diskussions-Strudel. Nur einen Unterschied gibt: im Alter werden die Konturen deutlicher.

Das Konzert, gestern Abend in der Wiener Stadthalle, hatte wenig Sinn. Die tausenden Menschen, die gekommen waren um sich Erinnerungen bestätigen zu lassen, waren mit den geschönten Variationen der alten Hits hochzufrieden, aber denen hätte (wir erinnern uns da an andere, höherqualitätsvolle Reunions wie die der Velvet Underground oder von Roxy Music) wohl auch eine elegant gefurzte Version von Roxanne-Begeisterung abgenötigt.

Die wenigen jüngeren waren von den in der Hit-Disco abgefeuerten 80er-Jahre-Fetzern angelockt worden und bekamen einen vollfitten Sting (mit neuer Muskelmasse) einen deutlich gealterten Stewart Copeland (der keine Kraft mehr hatte, neben dem Schlagzeug-Spiel auch noch die zweite Stimme anzubieten, die kam vom Band) und den immer schon maulfaul-reduziert seine sphärischen Flächen hineinwerfenden Andy Summers zu sehen (naja, meist eh nur über die Vidi-Walls) und zu hören (in der üblichen Stadthallen-Mindestleister-Qualität).

Zu ihren Hoch-Zeiten Anfang der 80er war es das energisch nach vorne preschende Zusammenspiel dieser drei simplen Elemente, die sich wie Wasser, Erde und Feuer zu einem Spektakel verbanden und mit ihrer unverschämt schlauen Mischung aus Postpunk, Powerpop und Reggae-Elementen, die das Projekt Police eine Zeitlang umumgehbar und unbesiegbar machte.

Auch wenn man ja wusste, dass die drei keine Schulfreunde waren, die sich ihre Griffe im Probekeller erarbeitet hatten, sondern ein Jazzer aus Newcastle, ein Ami-Session-Drummer mit Biz- und CIA-Anbindung und ein versponnener Gitarrist aus dem Avantgarde-Umfeld von Soft Maschine.

Drei Profis, die sich mit einer Idee und der Maxime "Let's make lotsa money!" verabredet hatten.

Das kann man nun für so unsympathisch und so uncool erklären, dass man sich nicht mehr mit The Police auseinandersetzen muss. Und es gibt vieles, was dabei auch noch hilfreich unterstützt: die Lehrerhaftigkeit des Exlehrers Gordon Sumner (=Sting), die bildungsbürgerliche Betulichkeit einiger Lyrics und anderes mehr.

Andererseits waren es The Police, die dem rein modischen Einsatz des neu entdeckten Reggae-Sounds im Mainstream-Pop der Anfangs-80er einen draufsetzten.

Es war Sting, der die radikale Form des Dub einbrachte, damit herumspielte, auf den Alben und dann auch bei Live-Konzerten. Die Police-Buben schickten die Sting "Iih-Ohoho!"-Stimme, sein Bassflattern und ein paar Zischlaute durch die Echokammern und ließen sie nicht nur Räume sondern ganze Stadien füllen. Das war ein veritabler Verdienst, das brachte ein neues Sound-Bewusstsein in die Popmusik ein. Und das trotz rockistischer Gegenstimmen, die sowas für unmännlich oder schwul halten (und immer noch halten, die Trottel-Puristen sterben ja nicht aus).

Und da ist es mir dann auch ehrlich gesagt wurscht, ob das jetzt ein böser Jazzer macht, um Distinktions-Punkte zu gewinnen.

Dass Sting und auch Copeland keine wilden Punks, sondern nur böse Jazzer mit einem cleveren Plan waren und sind, das zeigt sich in einer Alters-Vorstellung wie dem gestrigen Konzert dann eh umso deutlicher.

Stücke, die sie früher als wilde spiky-haired Schnellschüsse wie Sternschnuppen in die Umlaufbahn geschossen hatten, kamen jetzt mit ein wenig Bauch und auf gmiatlich daher, 'Driven To Tears' oder 'Truth Hits Everybody' mussten sich dergestalt lächerlich machen.

Einzig bei 'Every Little Thing She Does Is Magic' spielte Summers eine Gitarren-Figur, die darauf hinwies, wo er ohne Police gelandet wäre: Im Gitarren-Wundergarten direkt neben Robert Fripp. Allerdings zerstörte er dann diese kurzen guten Eindrücke durch das Entsetzen namens Solo, dem Alptraum jedes rechtschaffenen Post-Punks.

Mir haben The Police als Band nie wirklich etwas bedeutet - ich hab diese kurze Phase rund um ihre triumphale US-Tournee und dieses NME-Cover, als sie für ein paar Monate die größte Rockband des Planeten waren, aber nicht in schlechter Erinnerung: Sie verstanden es zu irrlichtern, und das passiert eh nicht oft genug.

Die ganz kurze Zeit, als sie mich dann in ihrer düsteren Phase knapp vor Schluss und dann auch mit dem letzten Album (als Sting schon dampfende Klugscheißerei betrieb, das aber raffiniert verkauft hat) quasi lebensphasenmäßig interessiert haben, war das auch keine Bauch-Beziehung. Ich hab zwar erstaunlich viele Texte, vor allem von der 'Synchronicity', noch teilgekonnt, aber so richtig nah am Herzen, nein...

Das hat der spätere, ganz entsetzliche künstlerische Weg von Sting, dieses "Weltretten mit fadem Barjazz für fade Erwachsene"-Paket (das sich allerdings so jammervoll wenig vom "Weltretten mit fadem Barjazz für fade Erwachsene, die sich für Rebellen halten"-Projekt das in ungenannt bleiben wollenden Regionen von Post-Mods stattfand, unterschied) dann eindrucksvoll bestätigt.

Seither, seit dem Ende von Police, konnte man sich allerdings nie sicher sein, was denn gewesen wäre wenn. Dieses dumme Spiel mit den "Was wäre wenn sich die Beatles nie getrennt hätten", "wenn Hendrix/Cobain überlebt hätten", "wenn Marley keinen Krebs gehabt hätte"-Fragen.

Es wäre kaum etwas davon würdig oder würdevoll gewesen, im Gegenteil.

Und das, was The Police gewesen/worden wären, wenn sich Sting nicht in seine Society-Solorolle gedrängt hätte, hat man jetzt endlich gesehen: eine hocherwachsene, technisch interessante, vom Drive und Vibe aber komplett wertlose jäzzlerische Version dessen, was einstmals frisch und mit ein paar Widerhaken daherkam.

Man verdrängt und verharmlost das nicht so supere vom früher ja eh allzu gern. Insofern ist es dann auch recht gut, wenn immer wieder ein paar alte Seppeln vorbeikommen und den eigenen Mythos kaputtspielen, und denen, die offenen Auges sind, die aufgeladenen Projektionen runterreißen.

© ORF.at



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / Polizei-Einsatz ohne Verletzte...

Polizei-Einsatz ohne Verletzte...

Gut 20 Jahre stand ihr Bühnenspiel auf "Pause", am Mittwoch drückten "The Police" in der Wiener Stadthalle wieder auf die "Play"-Taste, um Lieder aus einer anderen Zeit ins Heute zu holen.

"The Police" setzten ihre Marksteine zwischen 1977 und 1983 auf nur fünf Alben in eine Post-Punk-Leere. New Wave sagte man damals zu dieser Pop-Welle, die an stilistischen Sedimenten Jazz, Reggae, Ska mitführte.

Der solitäre Charakter des britischen Trios hat die Jahrtausendwende unbeschadet überdauert. Sting (55) legt nach wie vor die Basis mit einem soliden Bass, dessen wummernde Schläge Zuhörer-Brüste massieren und an Hosenbeinen zerren. Sein hoher Gesang ist so unverwechselbar wie der Knopf im Ohr eines Steiff-Bären.

Senior-Polizist Andy Summers (64) hat zwar etwas die Kontrolle über seine Körperausdehnung verloren, nicht aber das Gefühl für gediegenes, atmosphärisches Gitarrenspiel, für präzise übergänge.

Der drahtige Drummer Stewart Copeland (55) steckt voll rhythmischer, überraschender Raffinesse - ein Meister seines perkussiven Faches.

Diese drei musizierenden Gründe und das Kult-Pickerl auf dem Bandnamen genügten, um 16,000 Besucher anzuziehen. Der Auftritt entbehrte aber auch nicht eines bildenden Wertes - der entspannte klassische Dreier war ein prächtiges Beispiel dafür, dass es nicht mehrerer E-Gitarren und einer Keyboard-Ansammlung bedarf, um einen vollen Klang zu erschaffen, dem es an nichts fehlt.

In knapp zwei Stunden schöpften "The Police" aus ihrem Fundus. Der enthielt neben dem Wunschkonzert von 'Message In A Bottle' über 'Roxanne' und 'Every Breath You Take' auch Sperriges und weniger Gefälliges.

"Singt mit mir alles", forderte Sting die Ergebenen auf, die gerne in seinen Tarzanschrei der Spätsiebziger ("Ieeeeeeeeooo") einstimmten, der sich in fast jede Nummer fügen lässt. So richtig fröhlich wurde das Hörvolk bei 'De Do Do Do De Da Da Da', jener unsäglichen Banalität, die so überhaupt nicht ins Gesamtwerk passt. Die viel zu niedrige Bühne, die Sting & Co. nur knapp über den Köpfehorizont der Stehenden hob, wurde durch eine hochgesetzte Videolandwand ausgeglichen, auf der ein perfekt geschnittener Live-Konzert-Film lief. Da gab es Feinheiten zu entdecken, etwa Stings grindigsten Bass, Summers' Fingerübungen und Copelands nuanciertes, leidenschaftliches Schlagwerk.

Zum ungezügelten Ausflippen taugte die Police-Reminiszenz nicht. Das lag weniger an den Musikern, denen der wiedererblühte Spaß am gemeinsamen Musizieren anzusehen war, sondern in der Natur der Songs. Einiges gleicht sich, dazu zählt auch Stings Vokaleinsatz. Die Titel wurden dramaturgisch aber so gereiht, dass sich die Spannung bis zum Schluss aufbaute. Gelungener Polizei-Einsatz, keine Verletzten.

© OöNachrichten



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / 'Police' in Wien: Flaschenpost aus ganz anderer Zeit...

'Police' in Wien: Flaschenpost aus ganz anderer Zeit...

Die legendäre Band wurde in der Stadthalle umjubelt, ohne restlos zu überzeugen.

Eine Flaschenpost aus einer ganz anderen Zeit gab es gestern, Mittwoch, in der Wiener Stadthalle: Sting, Stewart Copeland und Andy Summers traten wieder gemeinsam als 'Police' auf, jene Band, die Klassiker wie 'Roxanne' und 'Every Breath You Take' hinterlassen hat und zwei Jahrzehnte ein Comeback kategorisch ausgeschlossen hatte. Das erste Wiener Konzert seit ebenso langer Zeit geriet zum umjubelten Abend.

Schon der Auftakt mit 'Message In A Bottle' und einem freundlichen 'Servus Wien' von Sting setzte die Marschroute für den Auftritt: Handgemachter Pop für Anspruchsvolle, mit viel kompaktem Druck und ohne unnötigen Schnickschnack. Dabei gerieten gerade die bekannten Hits nicht unbedingt zu den Highlights, allen voran das immer noch unlustige 'De Do Do Do De Da Da Da' oder 'Roxanne' als erste Zugabe.

Heraus gestochen sind u. a. 'Don't Stand So Close To Me' sowie 'Can't Stand Losing You' als letzte Nummer vor den Zugaben. Doch eigentlich lässt sich gerade dieses Konzert nicht auf einzelne Nummern reduzieren - die Beobachtung der Vollblutmusiker und ihrer neu erblühten Spielfreude machte auch dann Spaß, wenn das Konzert gerade nicht so spannend war. Was auch durchaus längere Zeiträume der Fall war.

Vom Kampf der Egos, der Police früh belastet hat, hat man sich zumindest dem Eindruck nach zur unverkrampften Altherrenpartie ausgewachsen. Nun singt und spielt selbst der jugendlich-fitte und früher zwanghaft im Vordergrund stehende Sting einfach so vor sich hin, ohne Rampensau-Ambition.

Doch eigentlich hätte ein bisschen Missgunst der Musiker untereinander vielleicht nicht geschadet: Denn in der neuen 'Police'-Konstellation bekommt Gitarrist Summers übermäßig viel Zeitbudget für seine Soli, die zwar witzig eckig und spannend kantig waren, aber den Abend über immer weniger füllend gerieten. Und Copeland wuselte wie in besten Zeiten hinter seinem Schlagzeug - das geriet zuweilen etwas übervirtuos.

Dennoch ist der spartanische Ansatz der Band eine Freude für wohl jeden Popliebhaber: Wie lange schon ist es her, dass man eine dreiköpfige Band derart pur und alleine stehend auf einer Popbühne erlebt hat? Police brauchen keine Begleitmusiker, keine überdimensionale Lichtshow, keine blöden Publikumssprüche. Da sind drei Könner am Werk, die Musik spielen können. Dass das erwähnenswert ist, ist kein gutes Zeichen für's Business.

Sting selbst, der weit weniger gealtert ist und daher gestern optisch aus der Band herausgestochen ist wie noch nie zuvor, zeigte gleich beim Auftakt: Seine Stimme ist auf positive Art reifer geworden, ohne ihren unverwechselbaren Duktus zu verlieren.

Die Enge war bei Stings Stimme ja immer schon ein Markenzeichen. Wenn auch die Höhen vielleicht noch ein wenig gepresster klingen als früher, haben Stings Vocals doch insgesamt an Volumen gewonnen und den Abend gut getragen.

Der Wiener Auftritt war ein typisches Legendenkonzert: Nach heutigen Maßstäben würden die drei Herren mit ihrer Musik höchstens herzhaftes Lachen von Plattenfirmhaien bekommen - zu handgemacht, zu kompliziert, zu echt und auch zu bieder für den heutigen Markt.

Und auch wenn man genau auf diese Dinge steht, war der vom Publikum euphorisch aufgenommene Auftritt nicht durchwegs gelungen: Die Selbstbeschränkung in Klang und Optik ließ dann doch auch Leerläufe entstehen. Doch dabei gewesen zu sein, wenn 'Police' noch einmal spielen - das war es auf jeden Fall wert.

© Tirol.com by Georg Leyrer



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / The Police live in Wien...

The Police live in Wien...

Es war eher eine "Old Wave" statt einer "New Wave", die am Mittwochabend zu den nach 21 Jahren des Streitens wieder vereinten "The Police" in die Wiener Stadthalle strömte. Die hohen Ticketpreise von 70 Euro und mehr machten den Event zu keinem so generationenübergreifenden Ereignis, wie das etwa im letzten Herbst bei Pearl Jam der Fall war. Dafür war man sich an diesem Abend einig, dass jeder das letzte Ticket für die restlos ausverkaufte Show ergattert hat und das Konzert gerade deswegen "ur geil" werden muss.

Drinnen ging Frontmann Sting derweil dem gewünschten Zusammentreffen der Generationen mit bestem Beispiel voran: Sohnemann Joe Sumner geigte mit seiner Band "Fiction Plane" vor einer dank Papi und seiner beiden Freunde bereits prächtig gefüllten Halle auf. Die Fans in der ersten Reihe hatten sich um halb fünf Uhr am Nachmittag vor der Stadthalle angestellt, um so nah wie möglich an Sting, Stewart Copeland und Andy Summers herantreten zu können.

Auf ihrer ovalen Bühne, bestückt mit jeder Menge Scheinwerfer mit bis zu einem Meter Durchmesser, die während der Show die ganze Halle in gleißend helles Licht (allerdings kein blaues...) tauchten, legten "The Police" dann um kurz vor neun Uhr abends mit 'Message In A Bottle' los. Andy Summers - mit 65 das einzige Bandmitglied, das man schon ungestraft "Punk-Opa" nennen darf - kam mit feuerroter Stratocaster auf die Bühne und schlug die ersten Akkorde des Welthits an. Auf einer Hebebühne mit Orchester-Percussion samt Kesselpauken und Riesen-Gong (das Rhythmus-Sammelsurium kam später bei 'Wrapped Around Your Finger' zum Einsatz) fuhr Stewart Copeland (55) hinter seinem 14 Einzeltrommeln und geschätzte 20 Becken umfassenden Drumset aus dem Boden, bevor dann Sting (in drei Wochen 56) mit seinem verschrammten 53er Fender P-Bass, der bei jedem Slap mit dem Daumen auseinanderzufallen droht, um die Ecke gejoggt kam.

Sein "Hallo, hier ist die Polizei", das Sting noch in Hamburg sehr zur Freude der anwesenden Presse als aufgelegte Headline lieferte, kam in österreich nicht. Dafür schaffte Andy Summers ein "singt mit, habt Spaß, enjoy the show", bevor man mit 'Synchronicity II' das weitere Programm beschritt. Konversation pflegten die drei Bandmitglieder während des Konzerts kaum. Keine Erklärung zu Songs, keine Statements - nach 21 Jahren Abwesenheit hätte sich der eine oder andere Fan vielleicht ein paar Worte zur Aktualität von 'De Do Do Do, De Da Da Da' gewünscht. Oder sonstwas, Hauptsache irgendwas halt. Aber Sting schwieg und ließ seine Bassgitarre sprechen.

über gut anderthalb Stunden spulten "The Police" ein musikalisch tadelloses Best-Of-Programm der fünf Studioalben ab. Songs wie 'Walking In Your Footsteps', 'Can't Stand Losing You', eine leicht angejazzte Version von 'Every Little Thing She Does Is Magic' und die gehetzten Kracher 'So Lonely' und 'Roxanne' (mit Rotlicht) wurden dargeboten. Sehr angenehm in der mit 16,000 Besuchern gefüllten Halle, wirkten sich die drei überdimensionalen Videowalls an der Stirnwand der Police-Bühne plus je eine an der Seite für die Fans ganz oben aus. Das grelle Licht war ja auch in erster Linie für die vor der Bühne auf Dollys paradierenden Kameras und die drei Kameramänner am Mischpult gedacht. In der Tat versäumte man dadurch keines von Stewart Copelands spektakulären Fills (er hatte eine Fischaugenkamera hinterm Drumset) und konnte auch Andy Summers beim Solieren ganz genau auf die Finger gucken, während sich Stings Halsschlagader bei den ganz hohen Tönen wie eine Anaconda, die gerade eine saftige Mahlzeit verdaut, über das riesige Display schlängelte.

Der Zahn der Zeit hat an den drei Ausnahmemusikern kaum genagt. Stewart Copeland sitzt zwar mit grauem Wuschelhaar und nicht mehr bauchfrei hinter seiner Trommelburg, dafür legt Sting im ärmellosen "Schwitzerl" den Sprung zum Schlussakkord eines Songs noch so agil hin, wie in seinen besten Rocker-Zeiten. Andy Summers hatte sich schon immer mehr auf das Gitarrespiel konzentriert - bei ihm findet die Akrobatik in den Gesichtsausdrücken (besonders bei 'Walking On The Moon') statt. Erstaunlicherweise ließen sie in Sachen Geschwindigkeit nur bei den moderaten Songs wie 'Don't Stand So Close To Me' ein paar beats per minute liegen, ansonsten stellte sich das Trio dem Songmaterial, das ihnen zu respektablen Solo-Karrieren verhalf. Auch gesanglich war Sting alias Gordon Matthew Sumner top in Form, wobei er manchmal (etwa bei 'Hole In My Life') den leichteren Weg über die tieferen Stimmlagen suchte. Sein geheimnisvolles Stimmbänder-Aphrodisiakum aus der Teetasse gab dem Frontmann jedoch stets wieder den richtigen Kick, sodass sich bis zur Zugabe mit 'Every Breath You Take' ein stimmgewaltiges Finale ausging. Da waren dann auch die 16,000 Fans nicht mehr zu halten und spendeten ohrenbetäubenden Applaus für die musikalische Großrazzia.

© Krone by Christoph Andert



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / Die älteste Maturaparty der Welt...

Die älteste Maturaparty der Welt...

Nach über 20-jähriger Pause brachte die wieder vereinigte britische Band "The Police" Mittwoch Abend die Stadthalle zum Toben.

Wien - Die Erwartung, dass eine Sache sich selbst immer ähnlich bleibt, ist ein Grundrecht aller alt werdenden Leute. Die Art, wie man demgemäß neue Erscheinungen verurteilt, kann als Zeichen der eigenen Veralterung gewertet werden. Stichwort: Früher war alles ... Und die Jugend ist doof. Deshalb ist laut Wilhelm Genazino in seiner damals - parallel zu 'Outlandos d'Amour' und 'Regatta de Blanc', den tollen ersten beiden Alben von The Police - Ende der 70er-Jahre entstandenen fabelhaften Romantrilogie Abschaffel ein Plattenspieler auch kein gutes Gerät. Es bringt die Menschen dazu, sich immer wieder dieselben Lieder anzuhören! Die Wiederholung bis hin zum Zwang produziert neben einigen unangenehmen Nebenwirkungen wie Columbo am Sonntag im ORF schließlich auch vermeintliche Sicherheit. Wie aber soll das Leben weitergehen, wenn es stillsteht?

Das Tröstliche bei einem Konzert der mittlerweile seit Mai auf Welttournee befindlichen rüstigen Herren von The Police scheint demnach auch darin begründet zu liegen, dass man an seine vermeintlich goldenen Jugendtage erinnert wird. Und man muss sich beim Besuch der Wiener Stadthalle auch nicht dafür schämen, dass man sich nie verändert und 1984 aufgehört hat, Platten zu kaufen. Immerhin hören die wegen der zünftigen Kartenpreise heute daheim gebliebenen Jungen auch nichts anderes als die von mindestens äußerst geschichtsbewussten heutigen Musikern wie Franz Ferdinand betriebene Neusichtung nur scheinbar abgewohnter New-Wave- und Chrom-Leder-Glastisch-Landschaften. Ein Teufelskreis am Ende der Moderne. Die Jungen hören die Musik ihrer Eltern!

Das behagt dem ehemaligen Lehrer Sting auf der Bühne sehr. Wer behält nicht gern Recht, wenn er rechtzeitig gegen Ende einer im Kunsthandwerksschmock elisabethanischer Lautenmusik versandenden Solokarriere mit der Rückkehr zum Start so tut, als ob nix geschehen wäre? Weil: Die hohe Stirn ist ja nur vorübergehend. Sie kommt vom vielen Schwitzen auf der Bühne. Für immer jung!

Während Sting sich und seine Arbeitskollegen Stewart Copeland am Schlagzeug und Andy Summers an der Gitarre im Gegensatz zum energiegeladenen Europatourstart in Stockholm vor zwei Wochen (der Standard berichtete) hier in Wien manchmal etwas gar kraftlos und verbissen lächelnd durch einen Dienst nach Vorschrift schwindeln, wird das Problem dieser erfolgreichsten Band der 80er-Jahre ganz beiläufig offensichtlich. Wer sich und dem eine Maturaparty 1983 nachstellenden Publikum nichts zutraut, geht auf Nummer sicher - und spielt seit dem Tourstart im Mai mit einer einzigen Liedausnahme unverändert täglich dieselben 20 Songs in exakt derselben Reihenfolge: http://thepolicetour 2007.blogspot.com . Natürlich wird das langweilig. Sting hat die Lieder immerhin selbst geschrieben!

Ausnahmen bestätigen die Regel: Ab der Halbzeit mit einem fröhlich swingenden 'Every Little Thing She Does Is Magic' läuteten The Police den Countdown bis zum unvermeidlichen und auf Autopilot gespielten 'Every Breath You Take' ein. 'Can't Stand Losing You' klang kernig und explosiv, 'Roxanne' tapfer (muss ja!), 'King Of Pain' zynischer denn je, 'So Lonely' dringend. Eines hat sich im Gegensatz zu früher allerdings entschieden geändert: Gitarrensoli waren früher definitiv verboten! Aber echt.

© Der Standaard by Christian Schachinger



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / Roxanne ist erlahmt...

Roxanne ist erlahmt...

Police in der Stadthalle. Das nach 20 Jahren wieder vereinte Trio spielte nur alte Hits, zu lasch und langsam.

Es ist ein Jammer mit Revival-Konzerten: Die Musiker treten gegen die MP3-Player in den Köpfen der Zuhörer an. Dort sind sie gespeichert, die Golden Greats aus den Jahren, in denen der Kopfbesitzer die Popsongs als Soundtrack für Leben und Leidenschaft nutzte (wofür sie ja da sind). Und dort klingen sie im Fall von Police schärfer, schneller, besser als am Mittwoch in der Wiener Stadthalle. Die mit schuld war: Das trickreiche, an Dub und Reggae geschulte Spiel der Police-Songs mit Rhythmen und Gegenrhythmen, Schlag und Nachschlag, wird empfindlich gestört, wenn eine Halle sich akustisch verweigert. Dabei taten die Musiker natürlich ihr Bestes, rein technisch, das ist viel, Virtuosen sind sie ja.

Das war schon damals, 1979, ein Grund, warum sie in der hochgradig genialischen Post-Punk-Szene ein bisschen wie Streber wirkten, die Kunst von Können ableiteten, als das gar nicht en vogue war. Dazu hörte und sah man, dass sie Erfahrungen mit Jazzrock, Hermann-Hesse-Taschenbüchern, indischen Schals und ähnlichen Staubträgern von gestern hatten. 1983 bekannte sich ihr Chef, Gordon Sumner vulgo Sting, offensiv zur C. G. Jung-Lektüre ('Synchronicity'!), bevor er sich solo verwirklichte, der Rest: triste Wohnzimmerbehübschungspopgeschichte.

Egal, zurück zu den Anfängen. Police-Songs wie 'So Lonely' oder 'Message In A Bottle' klangen 1979 frisch und draufgängerisch, das "Yo-Ho"-Geheul deutete keck Ekstase an: Perfekte Drei-Minuten-Nichtigkeiten für den Hausgebrauch. Gut portionierte Anti-Langweile. Slogans mit Widerhaken. Pop, der funktioniert. In der Stadthalle funktionierte er selten, bei 'Can't Stand Losing You' und 'Every Little Things She Does Is Magic' bis zum Schluss, bei 'King of Pain' fast, bei vielen Songs kaum bis zur Halbzeit. Sie zerbröselten, verloren Schärfe und Tempo, manchmal vielleicht, weil den Musikern, vor allem dem fantastischen Schlagzeuger Stewart Copeland, fad war, ihnen der Sinn nach Variation stand - meist offenbar ungewollt.

Die alte 'Roxanne' schleppte sich über den Straßenrand, 'Walking On The Moon' humpelte, 'Walking In Your Footsteps' lahmte, bei 'Wrapped Around Your Finger' führte Copeland seine Glöckchen-Sammlung vor, bei 'Invisible Sun' Sting seine Kinder-im-Elend-Diashow. 'De Do Do Do De Da Da Da', diese Banalität, die trivial sein möchte, war und ist sowieso nicht zu retten. Aber der Song passte zu Stings äußerem: ärmelloses T-Shirt mit V-Ausschnitt und Goldketterl, das ist schon uncooler, als die Stilpolizei erlaubt. Immerhin traf Sting die meisten Töne, versang sich nur in 'Every Breath You Take', dem selbstverliebtesten aller Liebeslieder, das war schon wieder fast sympathisch. Den gewichtigsten Anteil an den Bremsungen und Verschleppungen hatte Gitarrist Andy Summers, der sich mit hochgradig angestrengter Mimik hochgradig angestrengte Solos abrang. Das wirkte wie bei einem Maturatreffen, wenn die Herren den Bauch über die Hose hängen lassen und Schulstreiche im Tonfall von Altherrenwitzen erzählen. Das muss nicht sein. Lassen wir die Erinnerungen im Kopf.

© Die Presse by Thomas Kramar



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / The Police gastieren in der Wiener Stadthalle...

The Police gastieren in der Wiener Stadthalle...

Am 19. September kommt die legendäre britische Band The Police mit ihrer Reunion-Show in die Wiener Stadthalle.

Mehr als zwanzig Jahre lang hatte sich Sting geweigert, an eine Reunion von Police zu denken. Zwar hatte er mit Gitarrist Andy Summers und Drummer Stuart Copeland seit der Auflösung der Band Mitte der 80er-Jahre gelegentlich zusammengespielt. Etwa bei seiner Hochzeit mit Trudie Styler 1992, oder als The Police in die Hall Of Fame aufgenommen wurden. Doch eine ganze Tour oder gar ein neues Album schloss er aus. Bis Mitte 2006, als er "eines Tages aufwachte und den Instinkt hatte, dass jetzt der richtige Zeitpunkt" für ein Comeback ist.

"Noch am Tag davor hätte ich auf die Frage, ob ich das je machen werde, gesagt: ,Du spinnst, niemals!' Sogar Andy und Stuart hatten die Hoffnung längst aufgegeben, dass ich meine Meinung darüber je ändern könnte. Aber da dachte ich, ich rufe sie an." So war die Reunion schnell eine beschlossene Sache. Nach ihrem Auftritt bei den Grammy Awards im Februar 2007 verkündeten die Drei bei einer Pressekonferenz, dass sie wieder auf Welttournee gehen werden.

Seit dem Tourstart in Vancouver am 28. Mai spielen sie jeden Abend ein Programm, das keinen Hit auslässt: 'Roxanne', 'Message In A Bottle', 'Every Breath You Take', 'Every Little Thing She Does Is Magic' und, und, und. Wie in alten Zeiten? Nicht ganz.
"Es gibt jetzt fast einen Wettbewerb zwischen uns, wer härter arbeitet", erklärt Copeland. "Wir stehen jeden Tag früh auf, ernähren uns gesund und setzen alles daran, dass die Show gut wird. Früher haben wir in unserer jugendlichen Arroganz einfach angenommen, dass wir gut sind."

Auch die Streitereien von früher - über die Führung der Band - sind vergessen. Copeland: "Wir sind alle älter und weiser. Ich will jetzt einfach nur mehr mein Instrument spielen und kann Sting als Leader anerkennen. Ich muss mich nicht mehr unbedingt in der Musikszene beweisen oder mich selbst verwirklichen und unbedingt meine eigenen Ideen unterbringen."

Sting sieht es ähnlich: "Wir streiten noch immer heftig über musikalische Feinheiten. Neu ist, dass wir dann einen Schritt zurücktreten und sagen: 'Es gibt noch andere Wege, mit so einer Situation umzugehen.' Wir können viel besser miteinander verhandeln."

Interessant wird am Mittwoch in der Wiener Stadthalle aber nicht nur der Hauptact. Denn im Vorprogramm tritt eine Band auf, die The Police für die nächste Generation werden könnte: Sie heißt Fiction Plane, spielt in der Besetzung Bass, Gitarre und Schlagzeug und ist die Band von Stings Sohn Joe Sumner.

© Kurier by Brigitte Schokarth



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / The Police gastierten im Rahmen ihrer Welttournee in der Stadthalle...

The Police gastierten im Rahmen ihrer Welttournee in der Stadthalle...

Zeitgenossen der Nostalgie

Was uns dieser Abend auch gelehrt haben sollte: Tantra-Yoga ist eine gute Sache - unbedingt Kurse belegen! Immerhin lautet ein Tipp des Police-Chefideologen, Sängers und Bassisten Sting: "Yoga hilft einem, länger und besser Sex zu haben. Ich kann das schlecht erklären - aber gut vormachen!" So genau wollten wir es zwar gar nicht wissen. Wie ein Blick auf die Videowalls über der spartanisch gehaltenen und mit einer stilvollen Lichtshow befeuerten Bühne - mach das Rotlicht an, Roxanne! - aber zeigt, haben derlei Praktiken den heute 55-Jährigen auch sonst gut konserviert: Wirkt frisch, ist beweglich, kann immer noch singen.

Viel wesentlicher an diesem historischen, weil der Wiedervereinigung einer der zentralsten Bands der ausklingenden 70er- und beginnenden 80er-Jahre geschuldeten Abend ist aber, dass The Police nach knapp einem Vierteljahrhundert künstlerischer Askese heute noch immer - oder wieder - funktionieren: Stings schmachtende, dazu passend gern im Falsett geschmetterte Stimme, sein zackig vorwärts treibender oder schlenzend groovender Bass und Stewart Copelands gewohnt virtuoses Schlagzeugspiel bilden das Fundament, über dem Andy Summers wahlweise Solos am Rande zum Fingerbruch legt oder seine im Stakkato gerissenen Akkorde mit Echo durch den Hallraum jagt. Punk und Rock, Jazz und Reggae, New-Wave sowie als Pop gedeutete Weltmusik: Die Inspirationsquellen des 1985 eher im Schlechten dahingeschiedenen, obwohl nie offiziell getrennten Trios sind zahlreich - und ein Mitgrund für dessen unverwechselbaren Sound.

Obwohl es hier ausschließlich Hits, mehr Hits und noch mehr Hits hagelt - mit 'Message In A Bottle' steht einer der bedeutendsten gleich am Anfang - geht dieses Konzert doch über seine bloß nostalgische Bedeutung hinaus. Auch die von aktuellen Bands wie etwa The Jai-Alai Savant schön nachgestellte Klang-ästhetik von The Police oder die in der elektronischen Musik fortgeführte Aufarbeitung von Reggae und Dub lassen Klassiker von 'Walking On The Moon' bis 'Hole In My Life' nicht antiquiert erscheinen.

Man könnte es auch so sagen: Was früher zeitgenössisch war, hat sich bis heute als über weite Strecken zeitlos erwiesen.

© Wiener Zeitung by Andreas Rauschal



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / Umjubeltes Comeback von "Police" in der Wiener Stadthalle...

Umjubeltes Comeback von "Police" in der Wiener Stadthalle...

Sting, Stewart Copeland und Andy Summers gaben am Mittwoch das seit zwei Jahrzehnten kategorisch ausgeschlossene Comeback als "Police". Ein umjubelter Abend mit handgemachtem Pop, viel kompaktem Druck und ohne unnötigen Schnickschnack.

Eine Flaschenpost aus einer ganz anderen Zeit gab es am Mittwoch in der Wiener Stadthalle: Sting, Stewart Copeland und Andy Summers traten wieder gemeinsam als "Police" auf, jene Band, die Klassiker wie 'Roxanne' und 'Every Breath You Take' hinterlassen hat und zwei Jahrzehnte ein Comeback kategorisch ausgeschlossen hatte. Das erste Wiener Konzert seit ebenso langer Zeit geriet zum umjubelten Abend.

Pop ohne Schnickschnack. Schon der Auftakt mit 'Message In A Bottle' und einem freundlichen 'Servus Wien' von Sting setzte die Marschroute für den Auftritt: Handgemachter Pop für Anspruchsvolle, mit viel kompaktem Druck und ohne unnötigen Schnickschnack. Dabei gerieten gerade die bekannten Hits nicht unbedingt zu den Highlights, allen voran das immer noch unlustige 'De Do Do Do De Da Da Da' oder 'Roxanne' als erste Zugabe. Heraus gestochen sind u. a. 'Don't Stand So Close To Me' sowie 'Can't Stand Losing You' als letzte Nummer vor den Zugaben. Doch eigentlich lässt sich gerade dieses Konzert nicht auf einzelne Nummern reduzieren - die Beobachtung der Vollblutmusiker und ihrer neu erblühten Spielfreude machte auch dann Spaß, wenn das Konzert gerade nicht so spannend war. Was auch durchaus längere Zeiträume der Fall war.

Unverkrampfte Altherrenpartie. Vom Kampf der Egos, der Police früh belastet hat, hat man sich zumindest dem Eindruck nach zur unverkrampften Altherrenpartie ausgewachsen. Nun singt und spielt selbst der jugendlich-fitte und früher zwanghaft im Vordergrund stehende Sting einfach so vor sich hin, ohne Rampensau-Ambition. Doch eigentlich hätte ein bisschen Missgunst der Musiker untereinander vielleicht nicht geschadet: Denn in der neuen "Police"-Konstellation bekommt Gitarrist Summers übermäßig viel Zeitbudget für seine Soli, die zwar witzig eckig und spannend kantig waren, aber den Abend über immer weniger füllend gerieten. Und Copeland wuselte wie in besten Zeiten hinter seinem Schlagzeug - das geriet zuweilen etwas übervirtuos.

© Kleine Zeitung



2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / The Police live in Wien...

The Police live in Wien - die Kritik...

Don't believe what I saw/A hundred billion bottles

Manche Dinge sollten besser begraben bleiben. Zum Beispiel The Police, deren Schaffensperiode (zumindest was die Veröffentlichung der fünf Studioalben betrifft) in den Postpunk-Jahren lag, also zwischen 1978 und 1983, um 24 Jahre später als Kollektiv auf die Bühne zurück zu kehren. Aus finanzieller Sicht war dies sicherlich eine weise Entscheidung (eine Stehplatzkarte in der Wiener Stadthalle kostete stolze 71,50 Euro), künstlerisch betrachtet löste dieses Reunion-Konzert allerdings gemischte Gefühle aus. Nach dem Motto "Wiedersehen macht Freude, und wenn es so viel kostet, umso mehr" geriet das Konzert am 19. September 2007 in der Wiener Stadthalle zu einer Art Klassentreffen. Alle waren in aufgelöster Party-Stimmung, und dass man sich noch so gut an so vieles erinnern konnte, machte noch eine Spur glücklicher. Dass bei der Eröffnungsnummer des Konzertabends, bei 'Message in a Bottle', für einen kurzen Moment der Konzertsaal erhellt wurde, und zwar gerade dann, als Sting davon sang, dass er nicht glaubt was er sah, nämlich hundert Millionen Flaschen, fand ich überaus amüsant, wenn auch sarkastisch. Im Wesentlichen trat aber genau das ein, was eine Reunion ausmacht. Lieder, die man kennt, werden möglichst wenig verändert, damit eben jeder, der bei einem solch einzigartigen Abend dabei ist, mitsingen, mitklatschen, mithüpfen kann, um danach sagen zu können: "Wow, tolle Stimmung. Schon lange nicht mehr so ein gutes Konzert gesehen."

Davon mal abgesehen war Schlagzeuger Stewart Copeland umwerfend gut (er hielt mit seiner Power und seinem Drive vieles zusammen, was ansonsten gnadenlos - bzw. noch gnadenloser - auseinander gefallen wäre), Gitarrist Andy Summers so la la, und der singende Mann am Bass, Sting - na ja, Sting halt. Es gab aber nicht nur 1:1-Retrospektiven an diesem Abend, sondern tatsächlich auch Neuerungen im Zusammenspiel des Polizisten-Kollektivs. Die größte Erneuerung sicherlich jene, dass Andy Summers ziemlich viel Platz für Gitarrensoli erhielt, was den kompakten Sound des Trios doch erheblich minderte. Zur Erinnerung: In der Postpunk-ära waren Gitarrensoli der absolute Frevel, Bands hatten möglichst minimalistisch, also reduziert aufs Wesentliche, zu klingen. Was erlaubt war, waren Dub-Einschübe, Reggae-Sprengseln. All dies nahm sich The Police zu Herzen, mehr noch, sie trieben es bis zur Perfektion und somit bis zu höchsten Charts-Platzierungen.

Andy Summers durfte also des öfteren die Rockpose einnehmen (während Sting ihm dabei kumpelhaft über die Schulter schaute), meistens klang das nach Hard-Rock, an zwei Stellen hob Andy Summers aber auch jene Klangstilistik hervor, die Andy Partridge von XTC auf deren Album Black Sea, wie z.B. im Lied Respectable Street, etablierte. Neue Arrangements erhielten zudem auch Lieder wie 'Don't Stand So Close To Me' (was völlig daneben ging) und vor allem die paar gespielten Lieder aus dem Keyboard-lastigen schwachen Album Ghost in the Machine wie z.B. Every little thing she does is magic (daraus wurde eine wunderbare Version) und der Set-Füller 'Invisible Sun'. Der peinlichste Moment des Konzertabends war das unsägliche 'De Do Do Do, De Da Da Da', unverständlich, warum sie ein derartiges Lied aus der Versenkung rausschaufeln mussten, um es dann nur halbherzig vorzutragen (der Peinlichkeitsfaktor war im Gesichtsausdruck von Sting während er den sinnentleerten Refrain sang recht gut zu erkennen). Am anderen Ende der Skala, der Höhepunkt also, stand zu Recht am Ende des regulären Sets, 'Can't Stand Losing You' aus dem tollen Debüt-Album 'Outlandos d'Amour'. Hier entfalteten Sting, Summers und Copeland eine unglaublich kompakte Energie und Spielwut; sie entfernten sich dabei gerade mal so weit wie möglich, damit Neues aus dem Lied heraus entstehen konnte, um gleichzeitig dennoch dicht dran zu bleiben am ursprünglichen Spirit des Songs. Zum Großteil stand The Police also vor einem Dilemma: "Spielen wir es Retromanisch oder Rockposenhaft und lassen wir Summers solieren?" Mehr ist ihnen zur Reunion leider nicht eingefallen, "Can't stand losing you" ausgenommen. Wie auch immer: Nach Blondie hatten wir nun also The Police, und das nächste Klassentreffen kommt bestimmt bald. Hoffentlich nicht in Form von Talking Heads.

© Kulturwoche by Manfred Horak

Tour List


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07/14/08Mountain View
07/12/08Seattle
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07/04/08Bilbao
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06/18/08Manchester
06/17/08Manchester
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06/06/07Seattle
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