| Show Date | 2008-06-05 |
| Location | Mannheim |
| Venue | SAP Arena |
| Tour | The Police Reunion Tour 2007/08 |
2008-06-05 MANNHEIM: SAP Arena / Klassiker wie Perlen an der Schnur...
Setlist
| 01 | Message In A Bottle |
| 02 | Walking On The Moon |
| 03 | Demolition Man |
| 04 | Voices Inside My Head |
| 05 | When The World Is Running Down |
| 06 | Don't Stand So Close To Me |
| 07 | Driven To Tears |
| 08 | Hole In My Life |
| 09 | Every Little Thing She Does Is Magic |
| 10 | Wrapped Around Your Finger |
| 11 | De Do Do Do, De Da Da Da |
| 12 | Invisible Sun |
| 13 | Can't Stand Losing You |
| 14 | Roxanne |
| 15 | King Of Pain |
| 16 | So Lonely |
| 17 | Every Breath You Take |
| 18 | Next To You |
Klassiker wie Perlen an der Schnur - "Police" in Mannheim - der Geist der frühen Alben lebt wieder auf / Gelungene Reunion...
Die Wiedervereinigungen der Popgeschichte werden gemeinhin unter der Frage diskutiert, ob die Welt auf sie gewartet hat oder nicht. Im Fall von "Police" fielen die Antworten nach der entsprechenden Ankündigung im Frühjahr 2007 überwiegend positiv aus, die anschließende Welttournee zeigte, dass die Vorschusslorbeeren zurecht verteilt worden waren. Lediglich eine Kehlkopfentzündung von Frontmann Sting trübte die gute Stimmung: Einige Konzerte mussten abgesagt werden und werden jetzt nachgeholt, darunter auch das Gastspiel der einstigen New Wave-Titanen in der mit über 13,000 Zuschauern restlos ausverkauften Mannheimer SAP Arena.
Mit eindreiviertel Stunden lieferten Sting, Gitarrist Andy Summers und Drummer Stewart Copeland zwar keinen übermäßig ausgedehnten, dafür aber schnörkellos mitreißenden Auftritt ab, der den Geist vor allem der frühen Alben des Trios wiederaufleben ließ. So zu besichtigen schon im Opener 'Message In A Bottle' von 'Regatta De Blanc': Während Sting sich stimmlich wieder bestens disponiert zeigte, rotzte Summers mit einer Miene, als ob ihn das alles gar nichts angehe, ein metallisches Kurz-Riff nach dem anderen heraus. Copeland wiederum bearbeitete sein ausladendes Set mit präzisionsgeladener Energie, die nie in schiere Kraftbolzerei abglitt. Als sich dazu in 'Walking On The Moon' noch jene Reggae-Versatzstücke gesellten, mit denen "Police" immer wieder gespielt hat, waren alle Zutaten wieder da, aus denen sich ab 1978 die kometenhafte Karriere der Band gespeist hatte.
Die Fans hatten reichlich Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen: Zum stürmischen 'Demolition Man' rasten die defekten Digitalziffern von 'Ghost In The Machine' über die Videowand, in den zusammenmontierten 'Zenyatta Mondatta'-Stücken 'Voices Inside My Head' und 'When The World Is Running Down' legte Summers erstmals ein bretthartes und doch (auch dank des relativ sauberen Klangbildes) messerscharf gleißendes Solo hin. In 'Driven To Tears' und dem dunkel dräuenden 'Hole In My Life' sollte er sich in dieser Hinsicht noch steigern.
Am stürmischsten gefeiert wurden aber dennoch die eher eingängigeren Stücke, für deren Aufnahme ins Repertoire einst vor allem Sting gestanden hatte. Die Klassiker kamen wie Perlen an der Schnur: 'Don't Stand So Close To Me', das mit einem wunderbaren Paarlauf zwischen Stings Bass und Summers Gitarre eröffnete 'Every Little Thing She Does Is Magic', 'De Do Do Do, De Da Da Da' und 'Can't Stand Losing You'. Dazwischen nahm man sich nochmals Zeit für ein von Copeland mit exotischem Schlagwerk ornamentiertes 'Wrapped Around Your Finger' und den seinerzeit unabweisbaren Nordirland-Kommentar 'Invisible Sun', was erneut belegte, dass das Material für das Comeback sorgsam ausgewählt worden war.
Im kompakten Zugabenblock verzieh man Sting gerne, dass er in 'Roxanne' nicht mehr die ganz hohen Register wählte. Der stadiontaugliche Breitwand-Bums von 'King of Pain' aus dem letzten regulären Album 'Synchronicity' kam absolut sicher über die Rampe, bevor dann mit 'So Lonely' der Höhepunkt anstand: überlang, rasante Breaks und fast hautnah eng am Publikum - "Police" waren trotz intellektuellen überbaus immer eine exzellente Live-Band. Ein lässiges 'Every Breath You Take' und 'Next To You' besorgten das Finale. Diese Wiedervereinigung hat sich ohne Wenn und Aber gelohnt. Skeptisch konnte man da schon eher bei dem einen oder anderen in den Gängen der Arena angeschlagenen Plakat werden. Aber das sind andere (Pop-)Geschichten...
© Allgemeine Zeitung by Lars Hennemann
2008-06-05 MANNHEIM: SAP Arena / Von der Polizei verhaftet...
Von der Polizei verhaftet - Sting, Andy Summers und Stewart Copeland begeistern in Mannheims SAP Arena 13,500 Fans - und stellen den Besucherrekord ein
Es war das Konzert des Jahres - 2007. Aber durch die krankheitsbedingte Verschiebung des Police-Auftritts in der Mannheimer SAP Arena um acht Monate ist vor dem Nachholtermin irgendwie die Luft raus. Von den paar hundert zurückgegebenen Karten sind sogar bis zuletzt einige zu haben - eigentlich unfassbar bei einer Tournee, die sich ansonsten meist in Fußballstadien abspielt, rasend schnell ausverkauft war und mit geschätzten 340 Millionen Dollar Einnahmen wohl zu den erfolgreichsten der Rockgeschichte zählen wird.
Natürlich ist die Arena letztlich doch komplett besetzt, dank der kleinen Bühne wird mit 13,500 Zuschauern sogar der Konzertbesucherrekord von Bruce Springsteen eingestellt und die letzte Kleinmütigkeit verpufft, als ein gewaltiger Gongschlag von Drummer Stewart Copeland das Konzert eröffnet und Andy Summers das unverkennbare Riff von 'Message In The Bottle' anstimmt. Mit Stings Auftritt überschlägt sich der Jubelsturm fast - obwohl sein ungewohnter Papa-Schlumpf-Bart einen kleinen Schockmoment auslöst.
Der 56-Jährige mag dadurch alt aussehen, aber die figurbetonte Kleidung, verrät, wie topfit sein Körper ist. Auch gesanglich präsentiert sich der Kopf der 2007 reformierten Band souverän - wenn auch meist eine gute Tonlage tiefer als vor 30 Jahren. Von 1977 bis 1983 schrieben The Police so viele Superhits wie sonst nur die ganz Großen à la Beatles, Rolling Stones und Elvis - und entwickelten sich dabei von einer punkigen Band mit Faible für Reggae- und Ska-Rhythmik zum stilistisch über alle Genregrenzen hinweg aufgeschlossenen Trio, das serienweise Charts-Pop produzieren konnte, ohne den musikalischen Anspruch aufzugeben.
Wie hoch der ist, dafür steht vor allem der immer noch infernalische Copeland (55), dessen wuchtiges Spiel man zwar auf der Richterskala messen müsste, der aber trotzdem weiterhin zu den Schlagzeugern mit dem besten Gefühl für Timing und Nuancierung gehört. Das zeigt sich vor allem bei den Percussion-Parts, die Songs wie "Wrapped Around Your Finger" - sogar mit Vibraphon - oder "King Of Pain" ein neues Gesicht geben. Die Gitarrensoli des 65-jährigen Summers sind ebenfalls ein Gedicht - auf den Punkt dosiert, virtuos, dabei kraftvoll und feinfühlig zugleich.
Der schwierige Balanceakt zwischen künstlerischer Selbstverwirklichung und Dienst am teuer bezahlenden Kunden, der am liebsten 'Greatest Hits' in Reinkultur hören möchte, gelingt fast perfekt: Mit viel Spaß zelebrieren The Police auch entlegenere Songs wie 'Demolition Man' oder 'Hole In My Life', die sie durch Hitballaden wie 'Don't Stand So Close To Me' oder 'Every Little Thing She Does Is Magic' abfedern. Denen verordnen sie wiederum kleine Arrangementänderungen, meist in Sachen Tempo - das verleiht den leichtlebigeren Ohrwürmern eine Kante, die für Spannung sorgt und die Evergreens wie 'Roxanne' oder 'So Lonely' nicht nötig haben.
Aber das Spektakulärste an diesem Abend ist nicht die ausgeklügelte Konzertdramaturgie, sondern die pure Wucht, die The Police immer wieder nach Belieben entfesseln - und das quasi ohne Blauchlicht, mit einfachsten Rock-Mitteln: drei Musiker auf einer vergleichsweise kleinen Bühne, rundum einsehbar, minimale visuelle Effekte, oft noch bei eingeschaltetem Saallicht - "nackter" präsentiert sich kein Arena-Act. Versinnbildlicht wird der puristische Ansatz durch Stings völlig abgewetzten Fender-Telecaster-Bass - rar, teuer, machtvoll im Sound. Das Versprechen ewiger Jugend als Erfolgsrezept des Rock schwingt immer mit. Trotzdem singt Sting "I guess this is our last Goodbye" ('I Can't Stand Losing You') - wenn er das mit dem letzten "Auf Wiedersehen" wirklich ernst meint, wäre der Verlust in der Tat schwer zu verkraften.
© Mannheimer Morgen by Jörg-Peter Klotz